8 Tipps, wie Sie Ihre Jahresziele garantiert verfehlen

Persönlich und unternehmerisch die Ziele im letzten Jahr total verfehlt und über Weihnachten auch die letzten Reste von Ernährungsdisziplin über Bord geworfen? Kein Problem, das lässt sich auch 2019 wiederholen. Hier kommt die Blacklist der „Best Practices of Goal-Missing“.

  1. Kopfgeburten als Ziele wählen

    Vielleicht war es Ihnen nur nicht bewusst, aber ein guter Teil Ihres Zielverfehlens in 2018 kann daran gelegen haben, dass die Ziele Sie einfach kalt gelassen haben. Solche Ziele kann man auch „Kopfgeburten“ nennen, weil sie irgendeinen rationalen Appeal haben, aber ansonsten (für Sie) total unsexy sind. Beispiele: den Umsatz um x Prozent steigern; y Kilo verlieren; z Mal jemanden anrufen, an dessen Freundschaft man eigentlich gar kein Interesse (mehr) hat. Kopfgeburten sind meist hehre Ziele, die das Umfeld, irgendein Online-Coach oder einfach nur das eigene (in diesem Fall schlecht geeichte) Gewissen fordern, die aber mit Ihren Kernwerten und Ihrer Persönlichkeit nichts zu tun haben.

    Vermeiden Sie 2019 unbedingt jede Reflektion darüber, wo Sie im Leben wirklich hin wollen und was Sie im Tiefsten bewegt. Übernehmen Sie einfach weiterhin Ziele von anderen Menschen, damit stellen Sie sicher, dass Sie sie verfehlen werden.

  2. Ziele vage halten

    Wenn Sie es nun nicht lassen können und tatsächlich reflektierte, motivierende Ziele setzen (*augenroll*) – dann lassen Sie sie doch bitte wenigstens vage. Je vager, desto besser – also, fürs Verfehlen, meine ich. Bitte auf keinen Fall „Ich will dieses Jahr die Bücher X, Y und Z gelesen haben“, sondern „Ich will mehr lesen“. Das Gute an solcher Vagheit ist, dass das Verfehlen quasi schon eingebaut ist. Wenn man gar nicht weiß, wo man hinwill, kommt man per Definition nicht ans Ziel!

  3. Nur Jahresziele stecken (keine Zwischenziele)

    OK, ich sehe, dass Sie leider schon durch die „SMART“-Regel, nach der Ziele „spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert“ sein müssen, vergiftet sind. Um dennoch das Frustessen über Feiertage perfekt vorzubereiten, empfehle ich Folgendes: Stecken Sie (von mir aus! „smarte“) Jahresziele und belassen Sie es dabei. Durch das Fehlen von Quartals- und Wochenzielen können Sie sich immer vorgaukeln „Ich hab ja noch sooo viel Zeit“. Und wenn es dann am Ende zu eng wird, entschuldigen Sie sich damit, dass es wohl einfach nicht sein sollte…

  4. Nicht verschriftlichen

    Wie, Sie haben schon diverse Zeitmanagement-Seminare hinter sich und glauben fest, man müsse sich Zwischenziele stecken? Nun gut, wenn Ihnen dieser Zahn nicht mehr zu ziehen ist – dann habe ich hier einen Schachzug für Sie, der Ihnen gefallen wird. Setzen Sie sich ruhig die Ziele. Aber bitte nur mündlich. Das Verschriftlichen kostet doch eh nur einen Haufen Zeit. Und überhaupt, wo bleibt da die Spontaneität? Worte sind Schall und Rauch. Somit können Sie weiterhin Ihre Seminarlektionen beherzigen und dennoch total versagen.

  5. Kein Tracking

    Das Verschriftlichen wurde in den Seminaren in einem Atemzug mit der Zielsetzung genannt? Die machen einem das Versagen aber auch echt schwer…aber nicht aufgeben, es gibt noch einen Trick: Ignorieren Sie auf jeden Fall das, was die Amerikaner mit „keep track“ bezeichnen. Will heißen, dokumentieren Sie auf keinen Fall Ihre Aktivitäten und Entwicklung. Als geübter Fatalist wissen Sie ja, dass Ihnen alles Wichtige sowieso im Gedächtnis bleibt – ansonsten war es eben unbedeutend. Und damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt, nämlich

  6. Keine Zwischenevaluation oder -reflektion

    Vermeiden Sie es unbedingt, sich (z.B. wöchentlich) Zeit zum Reflektieren und Evaluieren des zwischenzeitlich Erreichten zu nehmen. Auf diese Weise geht ihr Lernzuwachs infinitesimal gegen Null; und die Erfahrung zeigt, dass nur diejenigen, die zwischendurch innehalten und auswerten, ihre Ziele erreichen oder übertreffen. Wichtig: Falls Sie einen Planer haben, z.B. von weekview, wo sich die wöchentliche Reflektion qua Platzierung im Kalendarium schier aufdrängt, müssen Sie besonders aufpassen, nicht dem Sirenengesang der Wochenauswertung zu erliegen.

  7. Ziele nicht kommunizieren

    Nun kommen noch zwei Tipps für alle mit Personalverantwortung. Der erste: bloß nicht kommunizieren! Sie setzen die Ziele (Sie sind ja auch der Chef) – das Fußvolk muss darüber nicht Bescheid wissen. Die sollen einfach ihre Aufgaben machen. Dass dadurch das Scheitern vorprogrammiert ist, spielt Ihnen nur in die Karten, schließlich können Sie dann die nächste Weihnachtsansprache dazu nutzen, den Angestellten ob ihrer Unproduktivität ins Arbeitsgewissen zu reden.

  8. Ziele beiläufig erwähnen, dann erst wieder kurz vor der Deadline herauskramen

    Ihre Firma hat Richtlinien fürs Projektmanagement und insbesondere die interne Kommunikation festgelegt? Wie ekelhaft fortschrittlich! Diese bösartige Schikane können Sie aber gekonnt umschiffen. Erwähnen Sie die Ziele, ganz im braven Einklang mit den Guidelines, am Jahresanfang, aber bitte ganz beiläufig, z.B. zwischen Tür und Angel, beim zufälligen Treffen in der Kaffeeküche, oder meinetwegen auch beim anberaumten Meeting – achten Sie im letzteren Fall insbesondere auf die Punkte 1 bis 3 oben. Ach ja, und dann bitte die Ziele bis Ende November nie wieder erwähnen. Die langen Gesichter Ihrer Mitarbeiter ob der Diskrepanz zwischen Ist und Soll brauchen Sie nicht zu stören – Sie haben ihnen ja die Ziele offengelegt.

Frohes Zieleverfehlen (oder, für alle unverbesserlich Ambitionierten: Ziele Erreichen…)!



Autor:

Alin Cucu
graceperformancecoaching.de

1 Gedanke zu „8 Tipps, wie Sie Ihre Jahresziele garantiert verfehlen

  1. Habe sehr geschmunzelt, Herr Cucu. 😉 Dank ihrer Tutorials im Umgang mit den Weekview-Planern und der tollen Struktur muss ich leider sagen, dass ich mein mein Jahresziel „Mehr beim Planen versagen“ leider völlig verfehlt habe.
    Es hat sich eine riesige Geschafft-Liste angesammelt und es ist richtig unheimlich viel Spaß das Planen machen kann. 😉😉
    Liebe Grüße
    Christine

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