Planer: klassisch oder lieber datumslos?

Ein Zeitplaner ist automatisch ein Kalender! Oder? In letzter Zeit scheint dieses eherne Gesetz aufzuweichen. Immer mehr Zeitplanungssysteme sind „zeitlos“, sprich datumslos -Tage und Daten muss man von Hand eintragen.

Das hat ein paar Vorteile gegenüber klassischen Zeitplanungssystemen, aber auch einige Nachteile. Wir fassen sie für euch zusammen und zeigen, welche Eigenschaften ein Zeitplaner, egal welcher Couleur, auf jeden Fall aufweisen muss.

 

Die Vorteile datumsloser Planer

Der erste Vorteil für den Nutzer liegt auf der Hand: Mit einem zeitlosen Planer kann man jederzeit einsteigen. Einen klassischen jahresbezogenen Timer wird man sich kaum noch im September kaufen, einen datumslosen schon – man definiert sein Jahr dann einfach anders, in diesem Fall von September bis August. Gar nicht doof, wenn man mal ein bisschen darüber nachdenkt; schließlich ist ja für viele unter uns (Schüler, Studenten, Lehrer, Akademiker…) der wahre Saisonstart nicht im Januar, sondern irgendwann im Herbst. Allerdings muss man, um dies zu berücksichtigen, nicht unbedingt auf einen zeitlosen Planer ausweichen.

Ein zweiter Vorzug datumsloser Timer ist, dass man sich „Seiten spart“, wenn man mal für eine gewisse Zeit aus der Terminmühle aussteigt und dementsprechend nichts in den Kalender eintragen muss (z.B. im Urlaub). Zusätzlich vermeidet man so Lücken, die in einem klassischen Planer zwangsläufig auftreten, wenn man eine Zeit lang nichts einträgt.

Ein letzter Vorteil sollte noch erwähnt werden, aber der gilt leider nicht für den User: Der Hersteller hat keine Sorgen mit auslaufenden Modellen. Ob das, angesichts der nun folgenden Nachteile, vielleicht sogar der Hauptgesichtspunkt ist?

 

Nachteile datumsloser Zeitplanungssysteme

Die größten Probleme datumsloser Planer sind zweierlei. Erstens ist eine längerfristige Planung, also über ein Quartal oder Jahr, ziemlich mühsam – für den Fall, dass überhaupt ein Quartals- oder Jahresplanungsraster angeboten wird. Diese müsste man dann von Hand nicht nur mit Terminen, sondern auch mit Daten befüllen, wozu man eigentlich schon wieder einen „richtigen“ Kalender als Vorlage braucht. Meist aber ist so eine langfristige Planung in den einschlägigen Produkten gar nicht vorgesehen, und das ist ein echtes Manko. Zweitens, durch das Fehlen eines Jahresrasters ist die Abstimmung mit anderen Menschen erschwert. Wie soll man ein gemeinsames Projekt planen, wenn der „Datumslos“-User erst mühsam eruieren muss, welche Wochentag denn der 16. November ist, und aufgrund der meist fehlenden Übersichten das Projekt lediglich in Tages- oder Wochenhäppchen aufgeteilt vor sich hat?

 

Ein weiterer Nachteil ist, dass man keine Gesamtübersicht über öffentliche Termine des eigenen Kulturkreises hat. Das mag meist wurscht sein, manchmal aber für böse Überraschungen sorgen (so wie, als ich damals am 26. Oktober in Österreich einkaufen gehen wollte und feststellen musste, dass an diesem Datum Nationalfeiertag ist). Und ohne jetzt einen kulturell-moralischen Zeigefinger erheben zu wollen, aber ist es nicht Ausdruck eines auf die Spitze getriebenen Individualismus‘, dass man jetzt sogar noch sein eigenes Jahr und seinen individuellen „Festrhythmus“ definiert?

Ok, Ok, lassen wir das. Aber eines ist wohl nicht zu bestreiten: Ein datumsloser Kalender könnte auf lange Sicht zu einer gewissen Entkoppelung von manchen Rhythmen führen, da man ja nicht mehr automatisch mit ihren kalendarischen Dreh- und Angelpunkten konfrontiert ist.

 

Vor- und Nachteile klassischer Planer

Klassische Planer haben genau dort ihre größten Stärken, wo datumslose ihre größten Schwächen haben. Erstens gibt einem ein klassisches Kalendarium sofort eine hervorragende Übersicht über lange Zeiträume. Das ist so, als ob man einen Berg erklimmt und weit in die Ferne blicken kann – wohingegen eine nur tage- oder wochenweise Planung so ist, als würde man im Tal im Nebel umherfahren und gerade mal 10 Meter voraussehen. Übrigens: Was ist stressiger (und ich meine jetzt im handfesten, biologischen Sinn – Cortisol, Adrenalin und so weiter): schon von weitem zu wissen, was auf einen zukommt, oder nur bis zur nächsten Biegung zu sehen?

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass die Abstimmung mit anderen Benutzern ähnlicher Systeme ganz einfach geht. Auch spart man sich das ggf. sehr zeitaufwändige Eintragen von Kalenderdaten.

Und dann wäre da noch das Thema „Saisons/Jahresrhythmen“. Eine gewisse Rhythmisierung des Lebens ist nicht nur der Natur inhärent (Jahreszeiten), sondern tut auch uns Menschen gut („Silvester – Fasching – Ostern – Sommerloch – geschäftiger Herbst – Weihnachten“). Und das nicht nur mental und seelisch, sondern auch ganz praktisch. Schließlich gibt es Tätigkeiten, die man nur zu bestimmten Jahreszeiten durchführen kann (das kann jeder bestätigen, der mit Pflanzen außerhalb eines Gewächshauses arbeitet). Mit einem klassischen Kalender wird man sich dessen eher bewusst als mit einem datumslosen Planer.

 

Natürlich kann man es als Nachteil betrachten, dass man nur zu bestimmten Zeiten „einsteigen kann“ (meist zum 1. Januar). Allerdings wird dieses Problem dadurch gemildert, dass klassische Planer spät im Jahr oft stark vergünstigt verfügbar sind.

 

Was jeder Planer haben muss

Die Waage scheint also klar zugunsten klassischer Systeme auszuschlagen. Doch egal wie du dich entscheidest, folgende Eigenschaften sollte dein zukünftiger Planer auf jeden Fall haben:

 

  • Wochen- und nicht nur Tagesübersichten
  • Quartalsübersichten
  • Genug Platz zum Reflektieren (mindestens wöchentlich)
  • Klar zugewiesene Seiten für längerfristige Ziele
  • Ausführlichen Notizen- und Listenteil

 

Viel Weisheit beim Auswählen deines neuen Timers wünscht dir

 

Dein weekview Team

Autor:

Alin Cucu
graceperformancecoaching.de

1 Gedanke zu „Planer: klassisch oder lieber datumslos?

  1. Gut geschrieben. Die Argumente sind nachvollziehbar und durchaus logisch. Für mich sind Kalender ohne Daten komfortabler. Dieses ist bedingt durch die Tatsache, dass ich sie als letztes Backup verwende. Termine werden am Smartphone eingestellt, wöchentlich dann handschriftlich in das Buch eingetragen. Der Vorteil, sind an Tagen mal wirklich keine Termine, habe ich nicht so viele Leerseiten. Selbst eine 3-6 tägige Planung kann man ohne weiteres mit dem datumlosen Buch bewerkstelligen. Aber wie schon treffend geschrieben, alles einen Haken, man muss halt für sich selbst und seine Arbeitsweise entscheiden, welcher Kalender der sinnvollere ist.
    Ich begrüße allerdings diesen Schritt sehr, einen datumlosen Kalender mit ins Portfolio zu integrieren.

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