Warum meine 2019er-Ziele crashten – und was 2020 besser wird

Alles war angerichtet. So schön lasen sich meine Ziele für 2019. Nach einem erfolgreichen 2018 sollte es ein noch erfolgreicheres 2019 werden.

Doch es kam anders als ich dachte. 2019 wurde erfolgreich, aber nicht, weil ich meine Ziele alle erreichte. Es war ein Lernjahr der besonderen Art, an dessen Lektionen ich euch gerne teilhaben lassen möchte.

Jahresziele für 2019: alles SMART oder was?

Als ich Ende Dezember 2018 über meinen 2019er-Zielen brütete, hatte ich bereits ein 2018er-Jahresresümee gemacht. 2018 war ein erfolgreiches Jahr, ich hatte in meiner philosophischen Forschung große Fortschritte gemacht und auch persönlich einige wertvolle Handlungsroutinen (z.B. Intervallfasten) in den Tagesablauf integriert. Ich war also guter Dinge und hatte Lust auf mehr.

Ich hatte gelernt, dass man Ziele, wo immer möglich, „SMART“ formulieren soll – spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Zum Beispiel: „Mache drei neue Freunde.“ Oder, und dies würde mich später noch verfolgen: „Reiche deine Doktorarbeit ein.“ Andere Vorsätze, die man nicht terminieren kann, schrieb ich als Resolutionen nieder („Gehe um 23.00 Uhr schlafen“).

Doch das Problem war, dass mir die Jahresziele für 2019 nie so richtig klar wurden. Die grobe Richtung war klar: weitere Schritte in Richtung Fertigstellung der Dissertation machen; weiter an Fitness und Gesundheit arbeiten; die notwendigen Charakterthemen in Angriff nehmen. Aber was genau das im Detail bedeutete, dazu konnte ich nur recht willkürliche und wenig informierte Aussagen machen.

Und das rächte sich. Zumindest die ersten zwei der genannten drei Ziele habe ich nicht nur nicht erreicht, sondern sie unterwegs sogar aufgegeben. Keine schöne Erfahrung für einen zielstrebigen Menschen, der mit dem weekview-System auch noch das (davon bin ich nach wie vor überzeugt) beste Ziel- und Zeitmanagementsystem verwendet.

Crash und Neuausrichtung

Was geschah im Jahr 2019?

Von Januar bis April werkelte ich wie mit Scheuklappen an meinem Plan. Die Doktorarbeit sollte bis 30. September fertig werden, also begann ich schon im Februar mit dem ersten Kapitel (vollkommen verfrüht, wie sich herausstellen sollte). Vor allem versäumte ich es, entgegen meiner Überzeugung mit Gott über meine Arbeit zu reden und ihn in die Planung einzuladen.

Anfang Mai dann der große Crash. Eine Anschlussfinanzierung bis Sommer 2020 platzte trotz anfänglich guter Aussichten. Meine Frau begann eine neue Stelle, weshalb ich auf einmal 3 Tage die Woche Kinderbetreuung hatte. In einer Art panischen Reaktion schrieb ich wie wild größtenteils aussichtslose Bewerbungen. Ich fühlte mich ausgelaugt, und ließ die Forschung fast einen Monat ruhen. Mir drängte sich der Eindruck auf, es sei „nicht dran“, 2019 die Doktorarbeit fertigzustellen, oder groß in Freundschaften zu investieren. Doch was war dann „dran“? (Darauf komme ich gleich zurück).

Überhaupt schien 2019 nur eines konstant zu sein, nämlich die Veränderung. Im Oktober verlor meine Frau die gerade erst angetretene Stelle, nur um im November eine neue anzutreten, derentwegen ich nun 4 Tage zuhause bleiben musste. Auf der anderen Seite ergab sich die Möglichkeit für mich, an eine renommierte Uni mit einem sehr kompetenten und engagierten Doktorvater incl. lebendiger Arbeitsgruppe zu wechseln.

Werte als Leitsterne – was die Selfhelp-Industrie verschweigt

Gemäß dem allgemeinen Tenor der Selfhelp-Industrie – setze deine Ziele autonom, und verfolge sie unbeirrt – war 2019 bestenfalls ein durchwachsenes Jahr.

Aber das war es nicht.

Zunächst einmal lernte ich viele und unschätzbare Lebenslektionen (siehe nächster Abschnitt). Auch setzte ich eine ganze Reihe von Vorgaben erfolgreich um: im Bereich Ernährung; in charakterlichen Dingen. Ich schaffte es ferner, zwei längere Fachbücher in meiner Freizeit durchzulesen.

Also war das Festhalten von Zielen grundsätzlich gut. Insbesondere in Sachen „Entschlüsse“ (nicht-terminierbare Ziele) half mir das Papier meines weekview Planers durch die ständige Konfrontation mit dem Niedergeschriebenen, ein starkes Bewusstsein für meine Vorsätze zu entwickeln. Und genau das ist letztlich für die Umsetzung solcher „soften“ Ziele entscheidend.

Und auf einer noch tieferen Ebene wurde mir klar, was durch alle Instabilität immer stabil war: meine Werte. Als ich zwischendurch in meiner Frustration die „Ziele 2019“-Doppelseite aufschlug, sah ich da meine Lebensziele, Ausdruck meiner Werte. Und die fand und finde ich immer noch gut, auch wenn so manches 2019er-Ziel eher zum Vergessen war.

Dass 2019 trotz aller Turbulenzen ein gutes Jahr wurde, lag auch nicht zuletzt an einem weiteren Meilenstein des weekview-Konzepts: den Resümees. Insbesondere die wöchentlichen Rückblicke halfen mir sehr zu sehen, was gut und was weniger gut lief. Ja, dadurch fand ich sogar Antworten darauf, was „dran“ war! Aber mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Gelernte Lektionen

  1. Das Wichtigste vorab: Ich beziehe Gott aktiv in meine Planungen ein. Nach meinem Mai-Crash entwickelte sich so ein schönes Zusammenspiel aus eigener Findigkeit und göttlichem Zutun. Zum Beispiel mache ich nach Möglichkeit jeden Morgen einen Gebetsspaziergang, bei dem ich Gott um seine Meinung bezüglich meiner mittel-, aber auch bezüglich der kurzfristigen Pläne bitte. Ein Ergebnis dieser Praxis: Während ich bezüglich meiner Uni-Wechselpläne zunächst unsicher war, bestätigten diese sich nach und nach durch den positiven Umgang mit dem neuen Betreuer und dessen Arbeitsgruppe.
  2. Es bringt nichts, künstlich „SMARTe“ Ziele „aus dem Boden zu stampfen“.
  3. Bei „smartifizierbaren“ Zielen, über deren Umfang ich mir im Unklaren bin, hole ich mir externe Hilfe. So durfte ich erleben, dass mir mein neuer Doktorvater enorm geholfen hat, die Forschungsziele für 2020 festzuhalten!
  4. Es kann Phasen geben, in denen der Fokus auf einen Lebensbereich liegt und die anderen auf Sparflamme laufen und ggf. gar keine Ziele beinhalten.
  5. Manche Tätigkeiten, wie z.B. Forschung, sind ihrer Natur nach ergebnisoffenen. Veränderungen der anfangs gesteckten Ziele sind zu erwarten, kann aber durch ständige Evaluation sowie ggf. Hinzunahme externer Hilfe sogar zum Booster werden.
  6. „Softe“ Ziele, also (nicht terminierbare) Entschlüsse, sind wichtig und nicht zu unterschätzen. Zusammen mit dem Tracking der angestrebten Verhaltensweisen (via „Quartal beobachten“-Seiten) kann wirkliche Veränderung eintreten.
  7.  Die Basis für gute Ziele sind meine Werte. Diese sind stabil, auch wenn die Ziele unklar sind. Sie sind auch stabil, wenn die Lebensumstände instabil sind. Es war enorm hilfreich, dass ich mir meiner Werte bewusst war – z.B. körperliche Fitness, Gottvertrauen, philosophische Kompetenz etc. Daraus konnte ich Lebensziele formulieren (tatsächlich noch relativ „grobkörnige“!), hinter denen ich auch jetzt noch stehe. So habe ich Fernziele, die mir für die kurzfristige Planung (Jahr, Quartal) eine gute Orientierung geben.
  8. Resümees, insbesondere die wöchentlichen, sind Gold wert. Das weekview Reflexionsblatt hat mir hierbei sehr geholfen. Damit gelang ein tiefenscharfer Blick auch auf die weniger „smartifizierbaren“ Aspekte. Das eigene Wachstum von Woche zu Woche wahrzunehmen hat mich sehr ermutigt.
  9. Die Selfhelp-Industrie treibt Menschen an, sich selbst und damit ihre Ziele autonom zu definieren; im besten Fall spielen die eigenen Werte noch eine Rolle. Aber selbst dies wird der Tatsache nicht gerecht, dass wir auf die Beziehung mit unserem Schöpfer hin geschaffen sind. Ich kann nur dann das Beste erwarten, wenn wir Zielfindung und -verfolgung in Zusammenarbeit mit Ihm bewerkstelligen.

Das wird 2020 besser – vielleicht auch bei dir?

  • Ich suche konstant Gottes Leitung (v.a. durch Gebet).
  • Ich suche mir externe Hilfe, wenn ich in Sachen Zielen „im Trüben fische“.
  • Ich suche bei der Zielformulierung und -verfolgung noch stärker die Verbindung zu meinen Kernwerten.
  • Ich sehe genauer hin, was aus den Wochen- und Quartalsreflektionen für die übergeordneten Ziele folgt.
  • Ich stampfe keine künstlichen Ziele aus dem Boden, nur um in einem Lebensbereich „etwas zu tun“ zu haben.

Autor:

Alin Cucu

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